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Freier Haufen zu Krinvelde e.V.
Freier Haufen zu Krinvelde e.V.

Pflanzenfärben

 

Einleitung:

Jedes Mitglied in unserem Verein hat unterschiedliche Interessen und sich auf dem einen oder anderem Gebiet in seiner Darstellung spezialisiert.

Steffi hat sich zusammen mit Tobi auf die Darstellung von Färbern spezialisiert, zusammen mit ihren Kesseln fahren sie auf Märkte für verschiedene Zeitepochen

Seitdem die beiden mit uns unterwegs sind zeigen wir auf einigen Märkten auch das Färben mit verschiedenen Pflanzen und Pilzen.

 

Historisches:


Entgegen der Geschichtsdarstellung wie sie in vielen Filmen und Dokus suggeriert wurde, war das Mittelalter bereits sehr bunt. Mit Pflanzenteilen und der richtigen Technik konnte man fast alle Farben bereits färben. Dies zeigt sich in verschiedenen Abbildungen im 12. Und 13. Jahrhundert.

Hierbei waren bunte Farben nicht ausschließlich dem Adel vorbehalten, sondern konnte bereits mit ein bisschen Geduld und heimischen Pflanzen erreicht werden.

Das Material der Wahl zum Färben mit Pflanzen sind alle tierischen Fasern, im rheinischen Raum war dies die Schafwolle. Die nicht nur aufgrund der guten isolierenden Eigenschaften für Alltagskleidung verwendet wurde, sondern auch weil sie im Gegensatz zur Seide aus heimischen Materialen gewonnen werden konnte.

Leinen ist theoretisch auch färbbar, jedoch muss man es für einige Färbungen vor uns nach behandeln. Gerade an heißen Tagen eignen sich Leinenkleider besser, da sie luftdurchlässiger als Wollkleidung sind. Dafür kann Wolle durch sein Wollfett (welches auch noch nach der Färbung im Stoff erhalten ist) gerade an regnerischen Tagen zu einer Wasserundurchlässigen Schicht werden)
Historisch gesehen ist gefärbter Leinen als Überbekleidung schwierig bis gar nicht zu belegen. Trotzdem haben wir beim gemeinsamen Färben mit dem freien Haufen zu Krinvelde einige Stücke gefärbt, da sich einige unserer Mitglieder gerne luftige Sommerkleider nähen wollten ohne auf pflanzengefärbte Stoffe zu verzichten.

 

 

Damit ihr euch vorstellen könnt was euch erwartet haben wir mal eine gemeinsame Färbeaktion mit der Kamera begleitet:

Material:
Um mit dem Färben zu starten braucht man eigentlich nur einen großen Topf (je größer desto besser). Weitere Materialien die sich anbieten und die Arbeit wesentlich erleichtern sind:

 

  • Ein großer Holzlöffel oder Stab zum Umrühren
  • Ein Thermometer, damit man die Temperatur im Auge behalten kann
  • Gummihandschuhe oder eine gute Reinigungspaste um die Farben von den Fingern zu Waschen
  • Einen Deckel für den Topf, damit die Temperatur länger gehalten wird

 

Vor dem Färben:

 

Bis auf einige Ausnahmen muss Wolle vor dem Färbevorgang immer gebeizt werden, damit die Fasern im Gewebe sich öffnen und so der Farbstoff besser in die Faser eindringen kann. Einige Versuche unsererseits mit ungebeizten Wollstoffen haben zwar auch noch ein akzeptables Ergebnis erzielt, jedoch hatten sie bei weitem nicht die Farbintensität wie sie mit einer vorherigen Beize erreichbar gewesen wäre.
Zum Beizen von Wolle kann man viele verschiedene Verfahren verwenden. Wir erhitzen unsere Stoffe meistens in einem Bad aus Alaun und Weinstein. Häufig lassen wir den Stoff über Nacht in diesem Bad abkühlen oder halten sie sogar über einige Tage feucht, damit wir ein optimales Beizergebnis erhalten.
Färbt man mit Walnusschalen kann man sich diesen Vorgang sparen, da die Walnusschalen bereits Gerbstoffe enthalten, die für eine Beizung während des Färbeprozesses sorgen.

Färbeverfahren

Grob kann man die verschiedenen Färbeverfahren in drei Kategorien unterteilen:

Leichte Verfahren:

Bei den leichten Verfahren stellt man durch das Einweichen und Auskochen von Pflanzenteilen eine Flotte her. In dieser kann man die Wolle bei niedriger Hitze einweichen, so nehmen die Wollfasern die Farbstoffe auf. Zu den einfachen Färbeverfahren gehören zum Beispiel das Färben mit Zwiebelschalen, Krappwurzeln, Birkenblättern, Walnussschalen, Goldrute oder Reseda.

Mittelschwere Verfahren:
Will man den Farbton nach dem ursprünglichen Färbeverfahren noch einmal verändern, intensivieren oder akzentuieren kann man nach der ersten Färbung eine zweite Färbung durchführen. Hierbei kann zum Beispiel die Kombination aus gelb und blau ein sehr schönes grün erreichen.
Außerdem kann  man das Farbergebnis durch eine Weiterentwicklung noch einmal Nuancieren.  So kann man aus Gelbfärbungen mit Hilfe von Eisenwasser ein olivgrün erreichen.

 

Schwere Verfahren:


Zu den schweren Verfahren zählen Farbstoffe, die nicht wasserlöslich sind und deshalb durch ein Reduktionsverfahren in einer Küpe gelöst werden müssen. Die bekanntesten Farben dieser Kategorie sind Indigo und Waid. Bereits im Mittelalter waren die Färber bekannt dafür, dass sie Urin gesammelt haben um die Ammoniak basierte Küpe für Waid- oder Indigo-Färbungen herzustellen. Deshalb konnte man die Färbersiedlungen meistens außerhalb oder am Rand der Stadt in der Nähe eines Flusses finden.
 

Und wenn ihr jetzt Lust habt, selbst mit Pflanzen zu Färben, gibt es wahrscheinlich noch einige Fragen die offen sind:

 

Wie komme ich an die Färbematerialien?
Für die einfachen Färbungen sammelt bei uns der ganze Verein mit (z.B. Zwiebelschalen, Möhrengrün). Außerdem kann man zu bestimmten Jahreszeiten auch die meisten Färbepflanzen bei uns ernten.
Habt ihr diese Möglichkeiten nicht oder wollt nicht lange genug warten bis die richtigen Pflanzen blühen oder ihr die richtige Menge an Pflanzen gesammelt habt, gibt es im Internet einige Seiten wo ihr das getrocknete Färbematerial und die Beizmittel kaufen könnt.

Was ist wenn ich auf einem Markt euch mal beim Färben zuschauen möchte?
Schreibt uns doch einfach hier eine Mail oder schaut auf der Facebook Seite unserer Färbegruppe Litandi vorbei: www.facebook.com/litandi793. Dort könnt ihr euch direkt für einen Termin mit uns verabreden.

Das war ein schöner Beitrag, aber ich möchte noch mehr wissen.
Schaut doch einfach mal auf der Facebook Seite unserer Färbegruppe Litandi vorbei. Hier zeigen Steffi und Tobi euch ausschließlich ihr Handwerk. www.facebook.com/litandi793

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